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Religionen erforschen

Religionen erforschen

Die Universität Münster ist in den vergangenen Jahrzehnten zu einem internationalen Dreh- und Angelpunkt für die interdisziplinäre Erforschung von Religionen in ihrem wechselvollen Verhältnis zu Politik, Recht und Gesellschaft geworden. Forschende aus mehr als 20 Disziplinen untersuchen eine Vielzahl an Themen von aktueller Relevanz.

Kennzeichnend ist eine einzigartige Verbindung von historischen und gegenwartsbezogenen Fragen, normativen und deskriptiven Herangehensweisen, bekenntnisgebundener und bekenntnisneutraler Forschung sowie theoretischen und empirischen Perspektiven. Methoden der Digital Humanities nehmen zunehmend einen wichtigen Platz ein.

Fächervielfalt

An der Religionsforschung der Universität Münster sind mehr als 20 Fächer beteiligt, darunter die evangelische, katholische, islamische und orthodoxe Theologie, die Religionswissenschaft und Religionssoziologie, Judaistik und Arabistik, Geschichts-, Rechts- und Politikwissenschaft, Kunstgeschichte, Philosophie, Philologie und Psychologie, Altorientalistik, Ägyptologie, Archäologie, Byzantinistik, Ethnologie und Sinologie.

Bildnachweis: © FatCamera/iStock.com

Wie zukunftsfest ist der Religionsunterricht?

Dieser Frage gehen der Sozialethiker Arnulf von Scheliha und der Rechtswissenschaftler Hinnerk Wißmann nach. Aktuelle Modelle wie der „Konfessionell-kooperative Religionsunterricht“ in NRW und der „Religionsunterricht für alle“ in Hamburg, die die verschiedenen Konfessionen und Religionen integrieren, eignen sich demnach, um die im Land gelebte religiöse Vielfalt authentisch abzubilden. Konfessionslose Religionskunde allein kann den Forschern zufolge der Pluralität kaum entsprechen. Weiterlesen

Bildnachweis: © SMNKG, Jana Haack

Asking the Pope for Help

Im Nationalsozialismus baten tausende jüdische Menschen den Vatikan in Bittschreiben um Unterstützung bei ihrer Flucht aus Europa. Der Kirchenhistoriker Hubert Wolf untersucht mit seinem interdisziplinären Team in den vatikanischen Archiven die rund 10.000 Briefe an den Papst. Gemeinsam rekonstruiert das Projektteam in dem auf 25 Jahre angelegten Akademieprojekt die Schicksale der Verfolgten, erschließt die Vorgänge innerhalb der Kurie und macht die Ergebnisse in einer Online-Edition zugänglich. Weiterlesen

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Spirituelle Patchwork-Communities

Gruppen, die online Verschwörungstheorien verbreiten, gewinnen in Krisen an Einfluss – in einem Spektrum von esoterisch bis demokratiefeindlich. Religion ist oft ihre Grundlage, das Internet ermöglicht ihnen breite Mobilisierung. Der Kommunikationswissenschaftler Thorsten Quandt erforscht die Patchwork-Spiritualität, von Witchtok bis zu Gods of Telegram.

Bildnachweis: © Shereif (Pixabay)

Ohne Judentum kein Islam

Der islamische Theologe Mouhanad Khorchide untersucht historische, theologische und spirituelle Verflechtungen zwischen Judentum und Islam. Einem weltweit verbreiteten muslimischen Antisemitismus hält er Koranstellen und theologische Analysen entgegen, nach denen jüdische Traditionen die Entstehung und Entwicklung islamischen Denkens entscheidend prägten. Weiterlesen

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Geistlicher Missbrauch in Geistlichen Gemeinschaften

Geistlicher oder spiritueller Missbrauch ist in den Kirchen ein erst seit jüngerer Zeit erforschtes Gebiet, stellt aber neben dem sexuellen Missbrauch eine weitere Form des Machtmissbrauchs dar. Die Theologin Judith Könemann und der Historiker Bernhard Frings untersuchen am Beispiel von zwei Geistlichen Gemeinschaften, wie geistlicher Missbrauch aussieht. Dazu analysieren sie, mit welchen Strategien er verübt wird, wie theologische Konzepte (wie Hingabe oder Demut) dazu beitragen können und welche Bedeutung Verantwortlichen der Kirche zukommt. Weiterlesen

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Religion und internationale Politik

Der interreligiöse Dialog spielt international eine wachsende Rolle zur Förderung nachhaltiger Entwicklung und humanitärer Hilfe. Das zeigen Studien der Religionswissenschaftlerin Simone Sinn. Viele Länder beziehen in ihre Politik zunehmend auch religiöse Organisationen und Akteure ein, um Frieden und Gerechtigkeit zu schaffen, auf internationaler wie lokaler Ebene. Ohne Religionskompetenz lassen sich demnach viele Konflikte nicht mehr lösen, zugleich stärkt interreligiöser Austausch die Verständigung über Werte und Normen.

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Gewissensverständnisse im Bundestag

Organspende oder vorgeburtliche Gendiagnostik: Im Bundestag erfolgen Abstimmungen über Biomedizin meist als Gewissensentscheidung ohne Fraktionsdisziplin. Wie Abgeordnete über das Gewissen sprechen und bei welchen anderen Themen die Fraktionsdisziplin aufgehoben wird, erforscht die Moraltheologin Monika Bobbert gemeinsam mit Marius Menke aus theologisch-ethischer Sicht. Erörtert wird auch, was das Konzept Gewissen für Parlamentsentscheide leisten kann und welche Grenzen es hat. Weiterlesen

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Gleichberechtigung im Islam?

Der Koran stellt Frauen und Männer weit gleichberechtigter dar, als traditionelle Auslegungen nahelegen. Das zeigt die islamische Theologin Dina El Omari. Während die traditionelle Exegese den Koran bis heute ahistorisch liest und patriarchalische Strukturen rechtfertigt, hat die Forscherin die erste feministische Auslegung vorgelegt. Ihre geschlechtersensible Exegese interpretiert den Koran im Kontext seiner Zeit und führt zu einem modernen Frauenbild. Weiterlesen

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Religiöse Parodien

In Judentum, Christentum und Islam entstehen seit Jahrhunderten immer wieder Parodien religiöser Texte. Die Parodien sind oft humorvoll und unterhaltend, aber auch kritisch, besonders mit Blick auf gesellschaftliche Zustände und politische Entwicklungen. Parodiert wurden etwa Predigten und bekannte Gebete wie das Vaterunser, aber auch Traktate des Babylonischen Talmuds. Die Romanistin Pia Doering, die Judaistin Regina Grundmann und die Arabistin Syrinx von Hees untersuchen vergleichend die vielfältigen Formen religiöser Parodien, die oft von bedeutenden Gelehrten verfasst wurden.

Bildnachweis: © Achribi

Christliches Kulturerbe live

Durch den Rückzug des Christentums und die Schließung von Kirchen werden zahllose Kunstwerke obdachlos. Das Projekt „Digitalisierung Christlichen Kulturerbes im Bistum Münster“ erschließt alle Kunstobjekte der rund 600 Kirchen des Bistums, stellt sie für die Forschung zur Verfügung und bereitet sie für ein digitales Diözesanmuseum auf. Das Team um den Theologen Norbert Köster und die Theologin Carolin Hemsing geht der Frage nach, welche Bedeutung die Objekte für die Menschen vor Ort hatten und heute noch haben. Weiterlesen

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